Die Geschichte der Stadtkapelle Althofen
Im Jahr 1911 wurde von Angehörigen der Treibacher Chemischen Werke unter Kapellmeister Josef Schwaiger der Musikverein Treibach gegründet. Die Kapelle zählte damals rund 30 Mitglieder. Wilhelm Hölbling stand dem Verein fast 30 Jahre lang als Obmann vor, bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges.
Bereits 1914 kam infolge des Ersten Weltkrieges jede musikalische Tätigkeit zum Erliegen. Erst Anfang der 1920er-Jahre konnte der Verein unter Kapellmeister Johann Prein seine Arbeit wieder aufnehmen. Er brachte die Kapelle auf ein beachtliches musikalisches Niveau. Nach seinem Tod im Jahr 1937 übernahm Josef Schachner, ehemaliger Militärmusiker, die musikalische Leitung. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges kam die Vereinstätigkeit erneut vollständig zum Stillstand, da viele Musiker einrücken mussten.
Im Jahr 1925 wurde unter Kapellmeister Friedrich Hebenstreit die Feuerwehr-Musikkapelle Althofen gegründet. Damit bestanden nun zwei Musikkapellen im Ort. Beide entfalteten eine rege musikalische Tätigkeit. Die Feuerwehrkapelle hatte jedoch in den 1930er-Jahren aufgrund der allgemeinen Wirtschaftskrise große finanzielle Schwierigkeiten, da keinerlei öffentliche Unterstützung vorhanden war. Nur durch den Idealismus der Mitglieder konnte der Betrieb aufrechterhalten werden.
Der Tod von Kapellmeister Hebenstreit im Jahr 1937 bedeutete einen schweren Verlust. Er war die treibende Kraft der Kapelle gewesen. In den folgenden Jahren übernahmen Vinzenz Zitta, der damalige Bahnhofsvorstand, sowie später Gründungsmitglied Karl Lassing die musikalische Leitung, bis auch hier der Zweite Weltkrieg jede Tätigkeit unmöglich machte.
Nach Kriegsende lag das musikalische Leben vollständig darnieder. Viele Musiker waren gefallen, noch in Kriegsgefangenschaft oder kehrten nicht mehr zurück. Instrumente wurden von der Besatzungsmacht beschlagnahmt, Uniformen verbrannt.
Erst 1947 gelang es heimgekehrten Musikern, wieder eine Kapelle aufzustellen. Musiker beider früherer Kapellen schlossen sich unter Kapellmeister Josef Schachner und Obmann Wilhelm Grascher zum Musikverein Treibach-Althofen zusammen. Einheitliche Bekleidung war nicht vorhanden, doch das gemeinsame Musizieren stand im Vordergrund.
1949 konnte erstmals wieder eine einheitliche dunkelblaue Uniform angeschafft werden. Trotz großer finanzieller Schwierigkeiten entwickelte sich eine rege musikalische Tätigkeit. 1955 schied Kapellmeister Schachner aus, Wilhelm Grascher übernahm die musikalische Leitung.
Ebenfalls 1955 wurde die Kapelle mit einstimmigem Beschluss in die Obhut der Marktgemeinde übernommen und in „Musikkapelle der Marktgemeinde Althofen“ umbenannt. Dadurch war der Fortbestand gesichert. Instrumente konnten repariert und neu angeschafft, das Archiv erweitert und eine neue Uniform eingekleidet werden.
Anlässlich „700 Jahre Markt Althofen“ gelang mit Unterstützung der Gemeinde die Anschaffung von Instrumenten in Normalstimmung. Unter der Leitung von Kapellmeister Wilhelm Grascher entwickelte sich die Kapelle zu einem anerkannten Klangkörper.
Nach dem Zweiten Weltkrieg standen Eduard Hölbling, Josef Kopp und Erich Mang als Obmänner an der Spitze des Vereins. 1976 übernahm Franz Gabbauer diese Funktion. 1979 wurde Josef Stelzer zum Präsidenten gewählt.
In diesen Jahren wurden auch internationale Kontakte gepflegt, besonders zum Musikverein Tamm bei Stuttgart, der 1977 in Althofen zu Gast war. Der Gegenbesuch folgte 1978.
Ein wichtiger Meilenstein war 1979 die Gründung einer Jugendkapelle. Mit Unterstützung der Gemeinde und großem Einsatz der Kapellmeister Wilhelm Grascher und Hartwig Klier konnte der musikalische Nachwuchs gezielt gefördert werden. Beim 80-jährigen Jubiläum 1991 hatte die Jugendkapelle ihren ersten großen Auftritt.
Ebenfalls 1991 wurde die Walter-Markus-Big-Band gegründet. 1993 nahm die Kapelle an der Fernsehsendung „Wer A sagt“ mit Peter Rapp teil. Daraus entstand eine bis heute bestehende Freundschaft mit dem Musikverein Attnang-Puchheim.
Mit der Stadterhebung Althofens 1993 erfolgte die Umbenennung in Stadtkapelle Althofen. 1994 übernahm Guido Engler das Amt des Obmannes, die musikalische Leitung lag bei Walter Markus. Am 1. Jänner 1995 fand das erste Neujahrskonzert statt.
1997 wurde Johann Burgstaller Kapellmeister, 1998 Karl-Heinz Reinegger Obmann. Ab 2002 leitete Robert Kuess den Verein. 2009 übernahm Maria Streit als erste Frau den Taktstock. Das 100-jährige Jubiläum 2011 mit Landesblasmusiktreffen stellte einen besonderen Höhepunkt dar.
2012 wurde Philipp Scheiflinger Obmann, 2013 folgte Erald Simixhiju als Kapellmeister. 2014 übernahm Christian Taferner die Vereinsführung. 2016 wurde Armin Korak Kapellmeister.
Im Jahr 2020 übernahm erneut Guido Engler die Obmannschaft. Diese Jahre waren geprägt von der Coronapandemie sowie schwierigen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Dennoch blieb der Verein aktiv und musikalisch präsent.
2024 übernahm Jürgen Rossegger als jüngster Obmann in der Geschichte der Stadtkapelle die Vereinsleitung.
Ebenfalls 2024 erreichte die Stadtkapelle bei der Konzertwertung Mittelkärnten 88,75 Punkte. Zum 40-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft reiste eine Abordnung der Stadtkapelle ins rund 640 Kilometer entfernte Tamm in Baden-Württemberg. Neben Tracht, Instrumenten und Marschbüchern wurden auch 19 Kilogramm Kärntner Jause mitgenommen – ein Zeichen gelebter Freundschaft.
Das Jahr 2025 war von zahlreichen musikalischen Höhepunkten geprägt. Die Stadtkapelle nahm erstmals an der Fortbildungsreihe „Fortbildung für Kapellmeister:innen & Blasorchester“ des Kärntner Blasmusikverbandes in Ossiach teil. Unter der Leitung des niederländischen Dirigenten Pieter Jansen wurde intensiv an Klang, Präzision und Ausdruck gearbeitet – unter dem Motto „MADE IN ALTHOFEN. TESTED IN OSSIACH.“
Bei der Marschwertung in Kraig erreichte die Stadtkapelle den Gruppensieg in der Stufe B mit 89,30 Punkten.
Mit einem Musikerbus und einem Fanbus ging es zur Jausenstation Stubinger „Buggl Volte“, wo ein stimmungsvoller Dämmerschoppen gespielt wurde. Dieser Auftritt fand auch mediale Beachtung und war in ORF Kärnten Heute zu sehen.
Beim Bierstadtfest 2025 in Murau marschierte die Stadtkapelle gemeinsam mit 20 Kapellen durch die Altstadt und zeigte eindrucksvoll: Althofen kann was! Erstmals wurde die Kapelle dabei nicht von Kapellmeister Armin Korak, sondern von seiner Schwester Martina Korak als Stabführerin angeführt.
Im Oktober 2025 feierte die Stadtkapelle Althofen gemeinsam mit dem Musikverein Tamm das 40-jährige Bestehen der musikalischen Freundschaft. Über 60 Musikerinnen und Musiker aus Tamm verbrachten ein gemeinsames Wochenende in Althofen mit Partnerschaftsabend, Ausflügen und der „Langen Nacht des Frühschoppens 4.0“ im Kulturhaus.
Auch in der Jugendarbeit konnten große Erfolge gefeiert werden. Jana Mitterdorfer, Jugendreferentin der Stadtkapelle Althofen, sowie Sandra und Anika Wigoschnig, Jugendreferentinnen der Glantaler Blasmusik, gewannen mit dem Podcast „Blasmusik-Unplugged“ den JUVENTUS MUSIC AWARD 2025.
Im Jahr 2026 legte Jürgen Rossegger aus beruflichen Gründen sein Amt nieder. Christian Taferner übernahm erneut die Obmannschaft und führt den Verein bis heute weiter.
Dank und Ausblick
Ein besonderer Dank gilt der Stadtgemeinde Althofen für ihre großzügige kulturelle Einstellung, durch die erst die Möglichkeit geschaffen wurde, das Vereinsleben der Stadtkapelle als einen der größten Kulturträger der Gemeinde nachhaltig zu sichern. Ebenso gilt der Dank allen Spenderinnen und Spendern sowie allen Musikfreundinnen und Musikfreunden, die durch ihre Unterstützung den Bestand und die Weiterentwicklung der Stadtkapelle festigen.
Auch in Zukunft wird es das Bestreben der Stadtkapelle Althofen sein, mit Idealismus, Gemeinschaftssinn und großer Hingabe einer kulturellen Aufgabe zu dienen – zum Wohle des Ortes und seiner Bewohner.
